Erkältungszeit im Zoo am Meer: So werden hustende Affen gepflegt

Im Herbst kränkeln nicht nur Menschen, auch Tiere kann es erwischen. Generell kommen Krankheiten regelmäßig in der Natur vor – aus ganz bestimmten Gründen.

Zwei Affen hängen in ihrem Gehe an gespannten Seilen.
Zwei der sieben Schimpansen im Bremerhavener Zoo am Meer hängen in den Seilen, sie leiden zur Erkältungszeit an Husten.

Vor der kalten Jahreszeit bleibt auch der Zoo am Meer nicht verschont. "Wir haben zwei Schimpansen, die zurzeit ein bisschen am Kränkeln sind", sagt Bastian Lange, Tierarzt im Bremerhavener Zoo. "Sie sind ja doch recht nah verwandt mit uns, deswegen teilen sie auch unsere Krankheiten." Bereits seit eineinhalb Wochen sind zwei der sieben Affen hartnäckig angeschlagen. Ihnen erging es ähnlich, wie eben auch Menschen: Entweder sie haben sich an der frischen Luft verkühlt oder bei anderen angesteckt. "Wenn wir wissen, dass wir krank sind, gehen wir entweder gar nicht zu ihnen rein oder mit Mundschutz, um sie zu schützen", so Lange. "Sie können auch Schnupfen mit laufender Nase bekommen und sich untereinander anstecken." Allerdings seien es immer die gleichen beiden. "Das ist wie bei uns, manche Leute sind anfälliger als andere."

Krankheiten gibt es in der Natur nicht grundlos

Ein Mann steht vor einem Affen-Gehege und schaut in die Kamera.
Tierarzt Bastian Lange kontrolliert die hustenden Affen regelmäßig.

Andere Tiere im Zoo am Meer trifft es mit typischen Erkältungskrankheiten weniger, so der Mediziner. Eisbären seien von Natur aus robuster, eine Erkältung können sie nicht bekommen. Vor einer Lungenentzündung seien allerdings auch sie nicht sicher. "Ich habe noch nie einen Eisbären oder eine Robbe niesen oder husten gehört", sagt Langet. Dennoch habe jedes Tier so seine Krankheiten, völlig immun sei keines. Und das aus bestimmten Gründen: "Krankheiten sind ein Mittel der Natur, um Bestände zu regulieren." Bei der Virusinfektion 'Seehundstaupe' sterben laut Lange zum Beispiel viele der Meerestiere weg. Die stärksten überleben und der Bestand erholt sich wieder auf ein gesundes Level, bei dem es für alle ausreichend Futter gibt.

Pfleger tricksen Affen mit Tee aus

Eine Frau steht in einer Küche und füllt Hustensaft aus einer braunen Flasche in einen Becher.
Schimpansen-Pflegerin Annika Diekmann verabreicht den beiden kranken Tieren bis zu dreimal täglich Hustensaft.

Die beiden hustenden Affen im Zoo am Meer scheinen leidensfähig zu sein. Ins Bett lassen sie sich jedenfalls nicht stecken und laufen lieber weiter mit ihrer Gruppe herum. Dass es den Affen wie Menschen mit einer dicken Erkältung ganz schlecht ginge, das gebe es laut Lange im Zoo nicht. Sollte der Husten allerdings zur Infektion werden, gibt es Antibiotika. Bis es soweit kommt, hat der Tierarzt einen Unterschiede zwischen den Menschenaffen und ihrer verwandten Spezies ausgemacht: "Die 'Männergrippe' ist ja allgemein ein bisschen schlimmer als die normale Grippe, das ist ja so", sagt er mit einem Augenzwinkern. "Aber ich muss sagen, bei uns trifft es vor allem die Mädels." Behandelt werden die Patienten mit ganz normalem Hustensaft für Kinder. Dabei geht es um den Geschmack: "Wir müssen immer ein bisschen tricksen. Wenn es nicht schmeckt, wird es nicht aufgenommen." Also wird die Medizin dem lauwarmen Lieblingstee der Schimpansen unbemerkt beigemischt. Das müssen allerdings die Pfleger machen, denn dem Arzt gegenüber sind die Tiere skeptisch. Die Erfahrung hat Lange gezeigt: "Der Medizinmann ist immer verdächtig."

Autor

  • Joschka Schmitt

Dieses Thema im Programm: Der Vormittag, Bremen Eins, 12. November 2019, 11:45 Uhr