Wenn der Bagger wütet: Straßenbahndepot in Gröpelingen wird abgerissen

Das 94 Jahre alte Straßenbahndepot in Gröpelingen wird in diesen Tagen abgerissen und weicht einem Neubau. Ein Blick zwischen Schutt und Trümmer.

Video vom 18. März 2020
Ein Bagger reißt das Dach der Fahrzeughalle im alten Straßenbahndepot in Gröpelingen ab.

Wo bis vor kurzem noch bis zu 30 Bahnen der Bremer Straßenbahn ihre Nachtruhe verbrachten, ist es vorbei mit der Ruhe. Das 94 Jahre alte Gebäude des Depots in Gröpelingen muss dem Fortschritt weichen. Die Weichen der Gleisharfe vor der Fahrzeughalle liegen zwar noch im Kopfsteinpflaster, aber über sie rumpelt keine Bahn mehr, sondern ein gefräßiges, gelbes Ungetüm.

Erbarmungslos arbeitet sich der 40-Tonnen-Bagger durch die ehemalige Wagenhalle des Depots in Gröpelingen. Mit einer Betonzange frisst sich das schwere Gerät durch den höchsten Punkt der Hallendecke. Ist ein Segment des Dachs durchtrennt, wechselt der Bagger sein Werkzeug. Es folgen ein paar kräftige Schläge mit dem frisch angebauten Greifer auf das nun geschwächte Dach. Putz bröckelt und der Boden vibriert durch die Wucht der Schläge. Schließlich gibt das Dach nach und klappt wie ein Stück Pappe einfach nach innen um. Gehalten wird der Betonbrocken jetzt nur noch vom verarbeiteten Bewehrungsstahl in der Stahlbetondecke. Wie Wurzeln einer Pflanze kommt der Stahl überall zum Vorschein und wird aus dem Beton herausgerissen.

Aber der Schutt wird nicht einfach zusammengeschoben und mit Lkw auf eine Deponie gebracht. Die baulichen Reste des Betriebshofs werden vor Ort in ihre Bestandteile getrennt und sortiert. Fein säuberlich trennt der Baggerfahrer mit dem Greifer die Dachpappe vom Betonteil und wirft sie auf einen Haufen. Erst dann zertrennt er die Stahlwurzeln und bringt das Dachsegment endgültig zum Absturz. Die Betonteile werden später mit einem anderen Bagger und seinem Pulverisierer bearbeitet. Eine Art Quetschzange zerkleinert den Bauschutt und trennt so den Beton vom Stahl. So können Rohstoffe recycelt werden und der Bauschutt kann als Unterbau für Baustellen dienen.

Bis 2023 soll hier ein neuer Betriebshof der BSAG entstehen. Abstellgleise für die Bahnen, eine Werkstatt, die Polizei und eine moderne Umsteigeanlage für die Fahrgäste werden diesen Ort neu beleben und der Endstation in Gröpelingen ein neues Gesicht geben.

Autor

  • Martin von Minden

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 19. März 2020, 23:30 Uhr