3-Euro-Regel für Corona-Tests laut Bremer Hausärzten kaum umsetzbar

Schnelltest in einem Testzentrum.

Kassenärzte fordern Ende der Corona-Bürgertests

Bild: DPA | Peter Kneffel
  • Kassenärztliche Vereinigung hält Testverordnung für nicht umsetzbar
  • Tests sind ab Juli nicht mehr für alle kostenlos
  • Einige Menschen müssen pro Test drei Euro bezahlen

Die Kassenärztliche Vereinigung Bremen hat die neue 3-Euro-Regelung für die Corona-Bürgertests scharf kritisiert. Die Anspruchsvoraussetzungen für die Schnelltests seien nicht überprüfbar, sagte der Sprecher der Bremer Ärztevertretung, Christoph Fox, zu buten un binnen.

Es sei für die Ärztinnen und Ärzte kaum möglich zu kontrollieren, wer nach der neuen Testverordnung Anspruch auf einen 3-Euro-Test hat und wer nicht. So kostet der Test nach der neuen Regelung etwa für Konzertbesucher drei Euro Eigenbeteiligung. Doch weil zum Beispiel nicht alle Konzertkarten personalisiert seien, sei allein diese Anspruchsvoraussetzung nicht eindeutig nachzuweisen, kritisierte Fox.

Arztpraxen sind keine Ordnungsämter. Es ist nicht ihre Aufgabe, die Ausweise derjenigen, die durch die Praxistür kommen, zu kontrollieren.

Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen, Christoph Fox

Abrechnung der Arztpraxen kaum überprüfbar

Hinzu kommt, dass die Kassenärztliche Vereinigung Bremen die Arbeit in den Arztpraxen kaum überprüfen könne. "Wir können nicht kontrollieren, ob die Arztpraxen richtig prüfen", sagte Fox. Es sei unzumutbar zu erwarten, dass etwa kontrolliert wird, welcher Patient, der einen 3-Euro-Test erhalten hat, tatsächlich auch seine Großmutter an dem Tag besucht hat.

Arztpraxen und andere Teststellen sind seit 30. Juni verpflichtet zu prüfen, wer Anspruch auf einen Schnelltest hat und wer nicht. Den Test komplett selbst zahlen müssen alle anderen Menschen, die sich ohne konkreten Anlass testen lassen wollen.

Einen Test mit drei Euro Eigenbeteiligung bekommen Bremer und Bremerinnen, die etwa eine Veranstaltung besuchen wollen. Auch dafür ist allerdings ein Nachweis erforderlich – etwa ein Konzertticket. Anspruch auf den 3-Euro-Test haben auch all jene, die eine rote Warnung auf ihrer Corona-Warn-App haben. Zudem gilt die Regelung bei Kontakten mit Menschen, die ein hohes Risiko haben, zu erkranken – das sind alle ab 60 sowie Menschen mit Behinderung oder Vorerkrankung.

Gesundheitssenatorin Bernhard war gegen die Änderung

Bremens Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) kritisiert die neue Testverordnung: "Ich bin mit der vorgelegten Testverordnung auch nicht zufrieden. Ich hätte mir eine Testverordnung gewünscht, die ein einfaches und unbürokratisches Testangebot für alle ermöglicht und gleichzeitig sicherstellt, dass die Testqualität hoch ist und Abrechnungsbetrug verhindert wird", teilte Bernhard mit. Der Bund müsse jetzt im Sommer nacharbeiten.

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 1. Juli 2022, 6 Uhr