Infografik

Wie war die Corona-Lage in Bremen vor einem Jahr? Ein Vergleich

Frau im Herbst mit Corona-Maske
Déjà-vu im Herbst? Die aktuellen Debatten um Corona-Zahlen und und Co. dürfte vielen Bremerinnen und Bremern aus dem vergangenen bekannt vorkommen. Bild: Imago | Addictive Stock

Was unterscheidet die aktuelle Corona-Lage von der zweiten Welle im Herbst 2020? Wir haben Inzidenzen, Bettenbelegung und Sterbefälle verglichen.

Manchen mag die Entwicklung der Coronazahlen, die Diskussion um Intensivbetten und die Debatte um einen Lockdown wie ein Déjà-vu aus dem vergangenen November erscheinen. Doch ist die Situation im Herbst 2021 wirklich mit jener im Herbst 2020 vergleichbar? Wir haben die wichtigsten Kennzahlen, Statistiken und Fakten verglichen. Dies ist das Ergebnis.

1 Inzidenzen: Verzögert zum rasanten Anstieg

In der Stadt Bremen hat sich die 7-Tage-Inzidenz, also die Ansteckungen pro 100.000 Einwohner pro Woche, zuletzt deutlich auf mehr als 200 Ende November erhöht. Damit liegt sie derzeit noch unter dem Höchstwert vom vergangenen Herbst. Damals, am 7. November 2020, erreichte die Inzidenz in der Stadt Bremen 255,13. Wohl auch wegen des Tage zuvor ausgerufenen "Lockdown-Light" – also geschlossene Gaststätten, Wechselunterricht und Co. – fielen die Fallzahlen damals wieder. Dennoch verharrten sie bis Ende Dezember im dreistelligen Bereich.

In diesem Jahr hat der Anstieg der Zahlen, also die vierte Welle, einige Wochen später eingesetzt. So lag die stadtbremische Inzidenz am 7. November 2021 lediglich bei 81,58. Seither steigt sie jedoch steil an. Seit Ende November liegt sie konstant über 200 – und somit fast doppelt so hoch wie vor zwölf Monaten.

7-Tage-Inzidenz in Bremen: Herbst 2020 und Herbst 2021 im Vergleich

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Wichtig für diesen Vergleich: Die Ausgangssituation für die aktuell steigenden Inzidenzen ist heute einen andere als noch vor einem Jahr. Im November 2020 gab es beispielsweise noch nicht die ansteckende Delta-Variante. Für diese Virusvariante bestehen laut Robert Koch-Instituts (RKI) "deutliche Hinweise auf eine erhöhte Übertragbarkeit". Auch das Schnelltest-System war im letzten Herbst noch nicht so flächendeckend wie heute. Im Herbst 2020 waren Selbsttest in Bremer Supermärkten zum Beispiel noch nicht erhältlich. Corona-Neuinfektionen, die damals als Dunkelziffer unerkannt blieben, können heute eher registriert werden.

In Bremerhaven hat die 7-Tage-Inzidenz hingegen in den vergangenen zwei Monaten von Beginn an stets höher gelegen als noch im Oktober und November 2020. In den vergangenen Tagen erreichte sie Werte um 240 – das ist mehr dreimal so hoch als vor genau einem Jahr.

7-Tage-Inzidenz in Bremerhaven: Herbst 2020 und Herbst 2021 im Vergleich

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2 Impfquote: Von 0 auf 80 Prozent in weniger als einem Jahr

Bremen ist aktuell bundeweiter Spitzenreiter beim Impfen. Mehr als 80 Prozent der Menschen in Bremen und Bremerhaven haben sich dem Robert Koch-Institut (RKI) zufolge bereits pieksen lassen. Schaut man dabei nur auf die Quote der über 18-Jährigen, liegt der Anteil der Menschen mit zwei Corona-Impfungen im Land Bremen sogar bei mehr als 92 Prozent. Zwar können sich Geimpfte trotzdem noch mit dem Virus infizieren. In Summe sei das Risiko einer Virusübertragung durch die Impfung laut RKI aber stark vermindert.

Anders war die Situation im Herbst 2020. Damals gab es noch keinen zugelassenen Impfstoff in Deutschland. Erst Ende des Jahres wurden die Impfstoffe von Biontech und Moderna in Europa zugelassen. Die ersten Impfungen begannen in Bremen am 27. Dezember 2020.

80 Prozent voll Geimpfte: Wie hat Bremen das geschafft?

Bild: DPA | Marijan Murat

3 Todesfälle: Zahl der Corona-Verstorben hat sich vervielfacht

Eine Impfung schützt also oftmals – nicht immer – vor einer Infektion. Und sie schützt ebenfalls in sehr vielen, – auch wenn nicht allen Fällen – vor einem schweren oder sogar tödlichen Krankheitsverlauf. Das wirkt sich auch auf die Zahl der Corona-Todesfälle und Belegung der Intensivbetten mit Corona-Patienten aus: Die Zahl der Toten in Deutschland hat Ende November die Zahl von 100.000 Menschen überschritten. Das Land Bremen kam, bezogen auf die Einwohnerzahl und im Verhältnis zum Rest der Bundesrepublik, jedoch verhältnismäßig glimpflich davon. Bis Ende November (Stand 26. November) starben in Bremen und Bremerhaven 411 Menschen an oder mit Corona.

Zum Vergleich: Ein Jahr zuvor (Stand: 27. November 2020) waren es bis dato 118 Corona-Tote. Viele von ihnen litten an Vorerkrankungen, vor allem an Herz-Kreislaufleiden.

Corona-Sterbefälle und Vorerkrankungen im Land Bremen

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Daran hat sich bis zu diesem Herbst nichts geändert. 208 der 411 Sterbefälle hatten mindestens eine Vorerkrankung. Menschen mit Herzleiden sind der Statistik zufolge zwar besonders gefährdet. Doch auch Lungenkrankheiten, Diabetes oder Nierenleiden wurde häufig bei Corona-Opfern diagnostiziert.

4 Stadtteile: Ärmere Viertel weiter am stärksten betroffen

Ähnlich wie im vergangenen November verbreitet sich das Virus auch in der vierten Welle unterschiedlich in Bremens Stadtteilen: Die meisten Corona-Infektionen haben aktuell – Stand: Kalenderwoche 45/46 – die Stadtteile Obervieland mit 5,21, Blumenthal mit 4,73 und Osterholz mit 4,66 pro 1.000 Einwohner. Die wenigsten Neuansteckungen wurden Ende November 2021 aus den Stadtteilen Woltmershausen (1,28), Schwachhausen (1,51) und Oberneuland (1,84) gemeldet.

In der zweiten Corona-Welle vor einem Jahr waren im Vergleich dazu – Stand: Kalenderwoche 46/47 – vor allem die Stadtteile Osterholz (5,53), Gröpelingen (5,18) und Huchting (5,12) betroffen. Zu den Bremer Stadtteilen mit den wenigstens Positivgetesteten pro 1.000 Einwohner zählten hingegen Borgfeld (1,53), Horn-Lehe (1,78) und Schwachhausen (1,92).

5 Situation in den Krankenhäusern

Die aktuelle Krankenhaussituation im Land Bremen weist statistisch gesehen im Vergleich zum November 2020 einige Besonderheiten auf. Die gute Nachricht: Den hohen Inzidenzen zum Trotz liegt die Zahl der stationär versorgten Corona-Patienten nicht einmal halb so hoch wie noch Ende November 2020.

Die schlechte Nachricht: Etwas anders sieht es beim Blick auf die Intensivstationen aus. Hier lagen Ende November vergangenen Jahres mit 36 Patenten nur wenige mehr als die 31 Menschen, die aktuell intensivmedizinisch behandelt werden müssen. Und die Anzahl jener Intensivpatienten, die aufgrund ihrer Corona-Erkrankung sogar künstlich beatmet werden müssen, liegt im Herbst 2021 sogar leicht höher als vor genau zwölf Monaten.

Krankenhausbelegung im Land Bremen 2020 und 2021 im Vergleich

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Daran, dass sich an der Situation in den Krankenhäusern kurzfristig etwas verbessern könnte, zweifeln Wissenschaftler wie der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb – auch angesichts der mittlerweile in Deutschland kursierenden Omikron-Variante des Coronavirus. Experten erwarten stattdessen eine Spitzenbelastung der Intensivbetten gegen Ende Dezember.

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