Bremerhavener Magistrat nimmt umstrittenen Gender-Beschluss zurück

Gendersternchen mit Schriftzug innen
Bild: DPA | CHROMORANGE | Christian Ohde
  • SPD, CDU, und FDP heben Magistratsbeschluss umgehend auf
  • Vorlagen mit Genderstern oder Doppelpunkt sollten verboten werden
  • Bremerhavener Koalitionäre fordern gesetzliche Regelung vom Bremer Senat

Der Bremerhavener Magistrat nimmt sein umstrittenes Verbot des Gender-Sternchens in der Stadtverwaltung wieder zurück. Das haben die Chefs der Koalitionsfraktionen von SPD, CDU und FDP in der Stadtverordnetenversammlung mitgeteilt. Der Magistratsbeschluss zu gendersensibler Sprache wird umgehend aufgehoben. Die Fraktionsvorsitzenden fordern den Bremer Senat nun auf, eine gesetzliche Regelung auf Landesebene zu schaffen.

Ende letzter Woche hatte es Diskussionen um den Beschluss von Mitte Dezember gegeben, nach dem im Magistrat keine Vorlagen mehr behandelt werden sollten, in denen Gender-Zeichen wie Stern oder Doppelpunkt auftauchen. Unter anderem hatten die Bremer Frauenbeauftragte, die Bremerhavener Grünen und die Jusos Bremerhaven den Beschluss kritisiert.

Fraktionsvorsitzende sahen sich auf falschem Weg

Die unterschiedlichen Reaktionen auf den Magistratsbeschluss hätten ihnen gezeigt, dass der gewählte Weg nicht der richtige gewesen sei, so die Fraktionsvorsitzenden Sönke Allers (SPD), Thorsten Raschen (CDU) und Hauke Hilz (FDP). Der Magistratsbeschluss sei mit dem Ziel einer verbindlichen Regelung für die Verwaltung entstanden – unter anderem sollte auch die generell männliche Form vermieden werden. Man habe sich in der Vergangenheit geärgert, dass es zwar viele Diskussionen und politische Haltungen zu gendersensibler Sprache gebe, der Versuch geschlechtliche Vielfalt abzubilden jedoch teilweise krampfhaft und nie komplett barrierefrei verliefe. Dass es auf Ebene des Landes Bremen dazu lediglich eine "Empfehlung" gebe, zeige die Komplexität des Themas.

Forderung nach gesetzlicher Regelung durch Bremer Senat

"Dass über den Ausschluss von Sonderzeichen der Eindruck entstanden ist, geschlechtliche Vielfalt, die sich auch in gendersensibler Sprache abbildet, sei uns egal, war weder unsere Absicht, noch deckt sich das mit unseren politischen Überzeugungen", so die Fraktionsvorsitzenden.

Nun soll demnach der Magistrat beschließen, dass er vom Bremer Senat einen Vorschlag zu einer verbindlichen gesetzlichen Regelung für die Verwendung gendersensibler Sprache für das Land Bremen erwartet. Der Forderung nach einer verbindlichen Regelung von gendersensibler Sprache für das Land Bremen schlossen sich die Landesfrauenbeauftrage, Bettina Wilhelm, und der Landesbehindertenbeauftragte, Arne Frankenstein, an. Beide begrüßten, dass die Koalition in Bremerhaven das Verbot von Gender-Zeichen rückgängig gemacht hat. Sie betonten, diese seien für eine gleichberechtigte Ansprache aller Menschen notwendig.

Darum soll Bremerhavens Verwaltung auf Gender-Sternchen verzichten

Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Nachrichten, 24. Januar 2022, 15 Uhr