"Panik-Reaktion": Bremer Ärzte warnen vor Booster-Andrang

Booster nach sechs Monaten – Bremen hält an Plänen fest

Bild: Radio Bremen
  • Gesundheitsminister Spahn: Alle können sich boostern lassen
  • Kassenärztliche Vereinigung: Praxen sind am Limit
  • Bremer Gesundheitsbehörde hält an Frist von sechs Monaten fest

Die Ankündigung von Noch-Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), dass alle Menschen ab 18 Jahren auch schon vor Ablauf der Frist von sechs Monaten nach der letzten Impfung eine Auffrischungsimpfung bekommen können, sorgt in Bremen für Unmut. Der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen (KVHB), Christoph Fox, sagte zu buten un binnen, dass das eine kontraproduktive Panik-Reaktion sei.

Die Ankündigung von Jens Spahn wird nicht zu einer Beschleunigung bei den Impfungen führen – im Gegenteil.

Christoph Fox, Sprecher Kassenärztliche Vereinigung Bremen

Laut Fox arbeiten die Praxen der Hausärzte in Bremen bereits jetzt am Limit. "Die Praxen haben ja kein Callcenter im Hintergrund." Die Mitarbeiter müssten daher den Andrang der Impfwilligen parallel zu den Anrufen von Kranken bewältigen. "Das ist ein immenser Arbeitsaufwand", sagte Fox.

Durch den Aufruf Spahns – im Übrigen gemeinsam mit dem Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen – befürchtet Fox nun einen zusätzlichen Andrang. Die Hausärzte steckten jetzt in einem Dilemma: "Jetzt erklären Sie mal jemandem, dessen zweite Impfung erst vier Monate her ist, dass er sich noch etwas gedulden muss, weil andere Patienten die dritte Impfung dringender brauchen."

Fox appelliert daher an alle Menschen, nur dann in den Praxen anzurufen, wenn es dringend sei. "Bitte rufen Sie nicht bei Ihrem Hausarzt an, um zu fragen, ob Sie jetzt dran sind mit der Impfung." Es sollten nur Leute anrufen, die sich sicher seien, dass sie auch eine Impfung erhalten können.

Bremer Gesundheitsbehörde berät weiteres Vorgehen

Die Bremer Gesundheitsbehörde will bis auf Weiteres nichts an ihrem Vorgehen ändern, wonach in den Impfstellen und bei den mobilen Teams nur solche Personen die dritte Impfung erhalten, deren zweite Impfung mindestens sechs Monate zurückliegt. Aber: "Wir stimmen jetzt gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung das weitere Vorgehen ab", sagt der Sprecher der Gesundheitsbehörde, Lukas Fuhrmann.

Klar ist allerdings schon jetzt, dass die Kapazitäten für die Impfungen in Bremen weiter hochgefahren werden. "Nächste Woche eröffnet am Herdentor die vierte Impfstelle und in der ersten Dezemberhälfte ist an der Duckwitzstraße die fünfte geplant."

Darum kritisiert der Bremer Hausärztechef die Pläne für Drittimpfungen

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 17. November 2021, 19:30 Uhr