Coronageschichten

Liesel-Lotti lebt im Heim und hatte eine Video-Schalte mit Steinmeier

Eine grauhaarige alte Frau mit Brille und mit hellblauen Oberteil sitzt auf einem Sessel. Im Hintergrund auf einem Regal steht ein Kalender und eine Engelsfigur.
Die 87-jährige Liesel-Lotti war schon aufgeregt, als sie mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier per Video gesprochen hat. Bild: Bremer Heimstiftung

Liesel-Lotti, 87 Jahre, aus Bremen:
"Mir geht es soweit gut, ich kann nicht klagen. Ich wohne seit Ende Januar hier im Stadtteilhaus Kattenesch. Aber es geht auf und ab – muss ich ehrlich sagen. Manchmal ist man trauriger und manchmal geht es etwas besser. Wie das überhaupt im Leben so ist. Es ist immer mal so und mal so. Damit muss ich fertig werden.

Mein Alltag hat sich durch Corona aber verändert: Es gibt einen wunderbaren Gesprächskreis, der ist aber nicht mehr jede Woche, weil alle mal dran kommen müssen und wir immer nur zu dritt sind. Also die Leitung und drei Bewohner. Auch beim Kurs 'Fit und Aktiv' komme ich nicht immer dran. Früher gab es hier im Hause wesentlich mehr Gruppen, aber die können nicht mehr stattfinden, so wie das Singen auch.

Ich gehe jeden Morgen spazieren. Draußen bin ich mit dem Rollator unterwegs, da fühle ich mich sicherer. Ich habe meine Zeitung, telefoniere viel und nachmittags spiele ich mit einer noch etwas älteren Dame Rummikub. Das ist wirklich sehr nett und wir sind wirklich sehr glücklich darüber.

Eine alte Frau mit grauen Haaren und Brille sitz an einem Tisch. Neben ihr eine Pflegefachfrau in grünem Kittel und braunen Haaren. Auf dem Tisch liegen eine Zeitung, ein Telefon und ein Aufnahmegerät.
Die 87-jährige Liesel-Lotti war schon aufgeregt, als sie mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier per Videotelefonie gesprochen hat. Bild: Bremer Heimstiftung

Ich habe einen Sohn, zwei Enkel und sogar schon Urenkel. Die kümmern sich rührend um mich, wir haben ein gutes Verhältnis. Meinen Sohn und seine Frau kann ich draußen treffen. Hier vor der Tür ist ein großer Platz mit Bänken und Bäumen. Da können wir uns mit Mundschutz und Abstand sehen. Also: Ich sitze auf der einen Bank und mein Sohn mit meiner Schwiegertochter auf der anderen. Da können wir auch Kaffee trinken – das ist wunderbar.

Zu Anfang habe ich viel geweint, weil man sich nicht mehr in den Arm nehmen darf. Aber ich verstehe, dass das so sein muss. Weil man ja nichts ins Haus schleppen will. Und Gott sei Dank sind hier alle sehr diszipliniert und es läuft gut. Wir haben hier keinen Corona-Fall. Dafür kann man dankbar sein, dass es so geht. Ich verstehe die Abstandsregeln und die Masken – natürlich. Das muss sein, sonst ist das Übertragungsrisiko doch viel zu groß.

Ich hoffe darauf, dass es wieder besser wird; wie schnell, das ist nicht so wichtig – finde ich. Es ist besser, wenn es langsam ausklingen würde als wenn alles sofort wieder aufgemacht wird. Wir wissen doch gar nicht, wie viele Menschen das Coronavirus noch haben, weil nicht alle sofort getestet werden können. Ich finde: Die Gesundheit geht einfach vor.

Eigentlich wollte unser Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier uns hier zum 'Internationalen Tag der Pflege' im Stadtteilhaus Kattenesch besuchen. Aber das geht nicht. Deswegen hat er angerufen und ich durfte mit ihm sprechen. Ich war schon aufgeregt. Es war ein ganz wunderbares Gespräch, er war sehr ruhig. Es war prima. Ich habe mich kaum vorbereitet, wir haben aber besprochen, worum es ungefähr gehen wird – um meinen Alltag in der Coronazeit, wie es mir geht und die Pflege. Ich habe mir überlegt, dass ich einfach sagen will, was wirklich Sache ist. Wie es wirklich abläuft, genau wie ich das gerade erzähle.

Am nächsten Tag wurde ich dann von meinen Freundinnen angerufen. Die hatten mich alle schon im Fernsehen gesehen, ein kurzer Ausschnitt lief sogar in der Tagesschau. Aber ich selbst hatte mich noch nicht gesehen. Wir wussten erst gar nicht, dass das Gespräch im Fernsehen kommt. Wir haben ja nur einen Videofilm gedreht und keinen Fernsehfilm. Hier war ja nur ein Mensch mit mir und der Pflegefachkraft Frau Weber. Was Technik alles kann.

Das Video hat mir dann eine Dame aus der Leitung auf ihrem iPhone gezeigt, denn das kann man im Internet abrufen. Ich habe hier ja kein Internet, hatte ich zu Hause vorher auch nicht. Aber meine Kinder haben das. Und die haben mich angerufen und gesagt, dass sie mich gesehen haben und wie toll das war. Meine Schwägerin hat angerufen, meine Freundinnen aus Bremen und auch ein Schulkamerad meines verstorbenen Mannes, das waren echt viele.

Das Gespräch mit mir, Frau Weber und dem Herrn Bundespräsidenten war aber viel länger als im Fernsehen. Aber das wird ja immer zusammengeschnitten, das kennt man ja."

Die Videobotschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zum 'Tag der Pflege'.

(Interview vom 14. Mai 2020)

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der neuen Morgen, 13. Mai 2020, 6:40 Uhr