Coronageschichten

Ellen kann nicht richtig um ihren Bruder trauern

Eine gelber, selbstgebastelter Engel auf dem
Eigentlich möchte Ellen nur angemessen um ihren verstorbenen Bruder trauern, aber die Corona-Maßnahmen machen das sehr schwer. Bild: Ellen

Ellen, 52 Jahre, aus Bremen:
"Mein Bruder ist am 18. März diesen Jahres – also kurz nach dem Eintreten der verschärften Maßnahmenregelungen – im Alter von 50 Jahren in Bremen verstorben. Und wir Angehörige können uns nicht trösten oder sehen: Eine Aufbahrung reduziert auf 60 Minuten, eine Trauerfeier im kleinsten Rahmen mit maximal sechs Personen. Mittlerweile haben wir immerhin einen Beisetzungstermin bekommen, aber bis dahin war es ein steiniger Weg und bei uns herrschte lange große Ungewissheit. Das war abgesehen von der eigentlichen Tragödie eine zusätzliche Katastrophe für uns.

In den letzten Wochen vor seinem Tod kam noch die Angst dazu, dass mein Bruder nach einer möglichen Ansteckung mit dem Coronavirus und der daraus resultierenden Lungenkrankheit Covid-19 vermutlich nicht mal beatmet worden wäre, da er bereits schwerkrank war. Die Kinder waren ja die ganze Zeit zu Hause und hätten ihren Vater theoretisch anstecken können.

Ich bin in tiefer Trauer um meinen Bruder, der zwei Kleinkinder und seine Frau hinterlässt. Noch schlimmer geht es meinen Eltern: Sie sind erschüttert und gebrochen und können die ganze Situation nur sehr schwer hinnehmen."

(via Facebook am 2. April 2020)

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 26. März 2020, 19:30 Uhr