Kolumne

Mein hochgerüstetes Zuhause

Wie wird ein Journalist in den eigenen vier Wänden arbeitsfähig? Radio Bremen-Regionalchef Frank Schulte hat sich durch den Technikdschungel gekämpft.

Ein Konterfei von Frank Schulte, unten sieht man einen Zollstock der bei 150cm markiert ist.
Regionalchef Frank Schulte schreibt dann lieber als Video-Schalten zu machen.

Anfang der Woche habe ich eine Skype-Schalte mit der Kollegin Maren Schubart vom Fernsehen gemacht. Das Ergebnis kann man hier sehen.

Aber ich empfehle, dass Sie sich die Zeit sparen, auch wenn Sie davon gerade viel haben sollten. Das Ergebnis war einigermaßen gruselig, ich bin sogar dazu übergegangen, es als erschütternd zu bezeichnen. Mein Gesicht ist so pixelig, dass ich problemlos in einen Lego-Film einsteigen könnte. Jedes Interview mit einem Astronauten auf der ISS hat eine bessere Tonqualität.

Also machte ich das, was momentan sicherlich auch viele von ihnen gerade machen. Ich optimierte mein Homeoffice. Und bestimmt kennen Sie das auch: Man weiß schon vorher, dass es Geld, wertvolle Lebenszeit und Nerven kosten wird. Alles schreit: Vorsicht! Lass das lieber. Aber man macht es dann trotzdem. Man hat diese absurde Hoffnung, dass es diesmal alles klappt. Wie bei einem Spiel von Werder Bremen. Aber das ist ein anderes Thema.

Natürlich hatte ich die Meldungen gelesen, wonach das komplette Netz gerade ächzt und stöhnt unter den ganzen Heimarbeitern und den Menschen, die jetzt Netflix, Disney oder die ARD Mediathek leer gucken (ok, ich arbeite bei einem öffentlich-rechtlichen Sender, sonst hätte ich diesen Dreiklang jetzt nicht unbedingt so gebildet).

Leute, die vorgeben, sich mit so was auszukennen, wiesen immer wieder darauf hin, man solle als erstes checken, wie leistungsfähig der eigene Internet-Anschluss ist. Also fing ich damit an.

Speedtest im ganzen Haus

Laut Vertrag soll ich mit meiner DSL-Leitung 50.000 Megabyte pro Sekunde an Daten aus dem Netz saugen können. Dieses kleine digitale Werkzeug hier setzte ich zum Messen ein.

Ich arbeitete mich mit meinem Laptop durchs ganze Haus. Wohnzimmer (wo ich gerade arbeite), Schlafzimmer, Musikzimmer, Küche, ja sogar im Badezimmer habe ich gemessen. Man weiß ja nie, was noch passiert. Ich nahm Werte morgens um kurz vor neun Uhr und am Abend gegen 21 Uhr. Die Ergebnisse fand ich einigermaßen verblüffend, denn sie schwankten wie ein Preisboxer kurz vor dem k.o. Je nach Zeit und Standort maß ich Werte zwischen 48.000 und 2500 Megabytes pro Sekunde. Das hatte also in etwa die Zuverlässigkeit einer Zehn-Tage-Prognose beim Wetter.

Katastrophal war es morgens gegen neun Uhr. Auch im Homeoffice scheint man Wert auf einen einheitlichen Start in den Tag zu legen. 21 Uhr war meist ok, außer Samstagsabends, da bekam ich sogar bei Netflix die Meldung, dass der Film nicht abgespielt werden könne.

Ich testete, passte an, nahm die Werte mal mit WLAN, mal mit LAN-Kabel. Die mit Abstand besten, weil konstantesten Ergebnisse, erzielte ich mit einer festen LAN-Verkabelung. Blöd nur, dass ich meinen momentanen Lieblingsarbeitsplatz (Wohnzimmer) nicht mit dem Kabel erreichte. Ich brauchte also neues Zubehör. Ein längeres LAN-Kabel auf jeden Fall. Und dann entschied ich mich auch für einen WLAN-Repeater, weil ich schon auch gerne mal flexibel woanders im Haus unterwegs sein möchte. Für alle nicht-Technik-Nerds unter Ihnen: ein WLAN-Repeater ist so ein Teil, dass das WLAN-Signal verstärkt und damit für eine bessere Netzabdeckung sorgt.

Was soll ich sagen. Wer sich gerade beschwert, dass in Online-Shops nichts mehr lieferbar ist, dem kann ich raten: Bestellt LAN-Kabel und WLAN-Repeater, die gibt`s offenbar noch reichlich.

Kamera am Laptop ersetzen

Teil Eins meiner Operation Homeoffice war damit abgeschlossen. Alsbald widmete ich mich also meinem Laptop und da machte ich den Schwachpunkt schnell aus. Die Kamera. Das eingebaute Teil war so schlecht, das glauben Sie gar nicht. Kennen Sie noch diese alten YPS-Hefte? Das waren Comics, denen immer ein Gimmick beilag. So Mülltüten zum Beispiel, die als fliegende Zeppeline angeboten wurden. Oder Um-die-Ecke-guck-Fernrohre. 99 Prozent dieser Gimmicks funktionierten allerdings mehr schlecht als recht. Meine Kamera wäre also ein heißer Gimmick-Kandidat für YPS gewesen. Wie auch immer. Dieses Spielzeug musste schleunigst ersetzt werden.

Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich das Wort Corona in dieser Kolumne tapfer ausgespart. Jetzt kann ich ihnen das Wort allerdings nicht mehr ersparen. Haben Sie mal versucht, in diesen Tagen an eine mit gut bewertete, durchaus leistungsstarke Kamera zu kommen? Sparen Sie sich die Mühe. Mit Webcams verhält es sich momentan offenbar wie mit Toilettenpapier. Kann man gegen Gold eintauschen, so wertvoll sind die. Sie wissen schon: Corona.

So sitze ich also weiterhin mit meiner stark schwankenden DSL-Verbindung im Homeoffice, die Webcam kommt frühestens Anfang Mai. Für eine erneute Skype-Schalte werde ich mich nicht unbedingt aufdrängen. Nach dem Desaster von vergangener Woche scheine ich da aber ohnehin raus zu sein. Die Redaktion meinte, ich könnte doch auch ganz gut schreiben. Bestimmt schicken Sie mir demnächst noch Federkiel und Tintenfass.

Kolumne "Ein Meter Fünfzig":

Autor

  • Frank Schulte

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 28. März 2020, 19:30 Uhr